Können die Deutschen noch eine Krisenbewältigung wie im Jahr 1973?

 

Die Frage stellt sich nicht nur bei den Benzin- und Dieselpreisen, sondern grundsätzlich. Sind die Deutschen noch bereit, sich einzuschränken, und flexibel zu sein, wenn das Land in Not gerät, und die Regierung die Probleme selbst nicht beheben kann, da die Probleme nicht die Regierung verschuldet hat?

 

Es fehlen Benzin und Diesel, und überhaupt Erdöl, um Benzin und Diesel herzustellen, was den Preis dafür explodieren lässt. Im Jahr 1973 war es der Nahostkonflikt, da die arabischen Erdölförderstaaten ein Lieferembargo gegen alle Länder, die Israel unterstützten, beschlossen. Jetzt ist es der Krieg USA und Israel gegen den Iran, der die Lieferung von Erdöl ausfallen lässt, bzw. stark einschränkt.

 

Was beschloss die damalige Regierung der BRD, um der Krise zu begegnen?

 

1. Es gab ein Sonntagsfahrverbot

 

2. Es gab ein Tempolimit für sechs Monate (bis März 1974) auf Autobahnen (100km/h) und Landstraßen (80 km/h).

 

3. Es gab finanzielle Unterstützung für einkommensschwache Haushalte als Heizkostenzuschuss, da damals rund 50 % der Haushalte mit Öl heizten.

 

4. Der Staat rief die Bevölkerung zu freiwilligem Energiesparen auf, durch Senken der Raumtemperatur und durch das Vermeiden von unnötigen Fahrten. Damals gab es sicher auch Leute, die meckerten, aber es war eine kleine Minderheit. Heutzutage würde das soziale Netz vor Wut auf die Regierung, wegen solcher Einschnitte, brodeln wie ein Hexenkessel.

 

Heutzutage scheint so etwas unzumutbar zu sein, wie man schon 2022/23 sah, als der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck ähnliche Vorschläge machte. Die Seele des Wutbürgers kochte 2022/23 über. Die Deutschen scheinen keine Krise mehr ertragen zu können. Der Staat hat alles zu regeln, ohne dass der Bürger Einschnitte erleben muss. Einige AfD-Abgeordnete sprachen sich in den sozialen Medien sogar dafür aus, nun erst recht viel zu duschen. Aus Protest, und viele teilten das und schlossen sich dem an. Drei Duschköpfe als Symbol bei dem Accountnamen anzugeben, grassierte in den sozialen Netzwerken.

 

Als jetzt das Thema Tempolimit mal kurz angeschnitten wurde, kochte in den sozialen Medien das teutonische Blut vor Wut schon über. Hätte man noch das Thema Raumtemperatur gebracht, wäre es wohl zu großen Demonstrationen gekommen.

 

Die nächste Frage wäre: Warum ist man nicht bereit, seine Fahrgewohnheiten umzustellen? 1973 ging es. Viele gründeten Fahrgemeinschaften, um zur Arbeit zu fahren. Man kann auf das Deutschland-Ticket wechseln. Sicher, die Verbindungen der öffentlichen Verkehrsmittel sind auf dem Land begrenzt, aber vielleicht können ja dort eben Fahrgemeinschaften gegründet werden. Damals ging es auch, und ja, auch damals gab es einige, die keine der Möglichkeiten hatten. Aber bei vielen ging es.

 

Heutzutage reicht es nur für eine Reduzierung der Benzinsteuer, damit das Fahren nicht ganz so teuer ist. Aber von Einschränkungen, Flexibilität, redet keiner. Für mehr ist die Bevölkerung scheinbar nicht bereit. Die Wohlfühlblase darf keine Schrammen bekommen.

 

Kann man dem Teutonen nichts mehr zumuten? Sind wir zu verweichlicht, oder wollen wir einfach nicht mehr vernünftig sein? Wir wollen uns nichts vorschreiben lassen, und freiwillig können sich ja die anderen einschränken: „Ich nicht, eher dusche ich sogar noch länger, um der Gemeinschaft zu zeigen, dass ich mir nichts sagen lasse.“

 

Und die AfD würde wieder der Regierung die Schuld geben. Einfach nur, weil sie genau weiß, ihre Fans klatschen Beifall. Auch wenn die Regierung nichts dafür kann. Es würde der AfD nur um Stimmungsmache gehen, und viele AfD-Fans zeigen im Netz, dass sie Spaß daran haben, sich wie pubertäre Jugendliche auszulassen.

 

Dieses Land ist echt kaputt. Daran hat aber im Wesentlichen die AfD die Schuld, die jede Krise nur dazu nutzt, um Stimmung gegen die Regierung zu machen. Jörg Urban hat sich mal auf X regelrecht sehr stolz darüber gezeigt, dass die AfD es geschafft hat, die Gesellschaft zu spalten, sie von der Mitte weg zu den beiden Polen getrieben zu haben.

 

Er war stolz darauf, dass die AfD es geschafft hat, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schwächen. Und die AfD-Hooligans schwingen dann noch, als wären sie besoffen, große Deutschlandfahnen auf Autobahnüberführungen. Auch wenn solche Maßnahmen die Autofahrer ablenken und die Unfallgefahr daher erhöht wird.

 

So pubertär, wie sich ein erheblicher Teil der deutschen Bevölkerung verhält, ist es kaum noch möglich, vernünftige Politik zu betreiben, was der AfD wiederum Auftrieb gibt. Und die AfD-Hooligans berauschen sich geradezu daran, dass die Gesellschaft, durch die AfD immer weiter zerfällt, sie von der Mitte weg zu den beiden Polen getrieben wird.

 

 

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