Wir haben ein Problem, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, z. B. in Frankreich, weswegen dort vielleicht bald Neuwahlen anstehen werden. Der französische Präsident Macron wollte das Renteneintrittsalter schrittweise von 62 auf 64 Jahre erhöhen. Das Parlament setzte sich für die Aussetzung des Vorhabens ein.
In Deutschland will die Regierung die Sicherheit der Rente durch höhere Bundeszuschüsse erreichen. Durch mehr Schulden. Aber für die Rente wurde die Schuldenbremse nicht ausgesetzt. Die wurde für mehr Wehrfähigkeit und mehr Infrastrukturmaßnahmen ausgesetzt. Ich halte das Aussetzen der Schuldenbremse immer noch im Grundsatz für richtig, aber die Regierung nutzt nicht das Geld, wofür es, wie es auch bei der Aussetzung festgeschrieben wurde, genutzt werden sollte. Merz nimmt zwar für die Infrastruktur entsprechend Gelder aus dem Sondervermögen, er streicht aber runde 10 Mrd. aus dem normalen Haushalt bei der Infrastruktur heraus, um das Geld dann anderweitig zu nutzen, womit der Effekt, der durch das Aussetzen der Schuldenbremse erreicht werden sollte, in dem Bereich verpufft.
Wir werden älter. Wir werden aber nicht nur älter, wir altern auch langsamer. Heutzutage haben die meisten im Alter von 65 eine körperliche Verfassung, wie sie zwei Generationen vorher ungefähr mit dem Alter von 55/58 erreicht wurde. Wir sind heutzutage mit 65 fitter als vor 50 Jahren.
Und auch Schwerstarbeit ist heutzutage nicht mehr schwer wie vor 50 Jahren. Vor 50 Jahren haben z. B. die Dachdecker, über das Gerüst am Haus (oder innen über die Treppe) die Dachziegel noch oft bis zum Dach hinauftragen müssen. Heutzutage macht es ein Lastenaufzug, der an der Hauswand gelehnt ist.
Niemand möchte länger arbeiten, sondern den Altersruhestand genießen. Aber letztendlich ist es schlichtweg simple Mathematik. Durch den Pillenknick in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ist die Geburtenrate schlagartig zusammengebrochen. Die Behauptung der AfD, es kämen zu wenig Kinder, weil man sich heutzutage nicht mehr Kinder leisten kann, ist schlichtweg eine Lüge. Der Knick kam in den 60er Jahren abrupt, nicht schleichend in den letzten 20 Jahren, wie man gerne behauptet.
Und mit der Zeit verschob sich dadurch das Verhältnis: Beitragszahler zu Rentner.
In Frankreich geht die Bevölkerung auf die Straße, gegen den Präsidenten Macron, da der den Eintritt in das Rentenalter hochsetzen möchte.
In Deutschland gehen zumindest schon mal junge Politiker auf die politische Bühne, da man ihnen, wenn sie in Rente gehen, nur Schulden hinterlassen wird.
Die Politik muss handeln, die Bevölkerung will, dass die Regierung nicht handelt, sondern zaubern kann. Die AfD brüllt: Schmeißt die Migranten raus, dann haben wir mehr Geld. Das ist aber Populismus, was eben auch nicht hilft.
Zurzeit Bismarcks lag das durchschnittlich erreichbare Lebensalter bei 35–40 Jahren, was aber daran lag, dass die Kindersterblichkeit mit hineingerechnet wurde, was den Schnitt des zu erwartenden Lebensalters senkte. Verluste durch das Soldatenleben (1864, 1866, 1870–1871) verkürzten das durchschnittliche Lebensalter selbstverständlich auch.
Erreichte ein Mann um 1900 das 40. Lebensalter, konnte er im Durchschnitt noch mit 26 Lebensjahren rechnen. Er wurde also im Durchschnitt 66 Jahre alt. Eine Frau schaffte es im Durchschnitt, wenn sie 1900 40 Jahre alt war, noch weiter 29 Jahre zu leben und starb, im Schnitt, mit 69 Jahren.
Andererseits fing man oft mit 16 Jahren oder sogar früher im Arbeitsleben an. Die Schulpflicht im Deutschen Kaiserreich betrug 8 Jahre, vom 6. bis zum 14. Lebensjahr. Dann war auch für die meisten Menschen Schluss mit der Schule. Wann fängt heutzutage für viele das Arbeitsleben an? Zumindest erheblich später.
Das Gesetz von 1889 sah zuerst ein Eintrittsalter, um zum Bezug der Rente berechtigt zu sein, von 70 Jahren vor. Später wurde es dann auf 65 Jahre reduziert.
Bei einer zu erwartenden Lebenserwartung damals von 66 Jahren bei den Männern, erreichten viele gar nicht mal das Alter, eine Rente zu erhalten.
Ich will nicht zu der „guten alten Zeit“ zurück, denn so toll war die nicht. Aber wir dürfen die Gesetze der Mathematik auch nicht einfach ignorieren.


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