Integration gescheitert - wer hat Schuld?

Am 16. April stimmte das türkische Volk für ein neues politisches System, das den Einfluss des türkischen Parlamentes stark einschränkt, das Amt des Ministerpräsidenten abgeschafft, und die entsprechenden Kompetenzen dem Präsidenten, der bis jetzt eher nur repräsentative Aufgaben hatte, überträgt; wobei diese Machteinschränkungen des türkischen Präsidenten in letzter Zeit sowieso eher theoretischer Natur waren. Erdogan hat mehr als einmal gezeigt, dass er derjenige ist, der die Macht im Lande hat.


Ob der Weg in eine Diktatur damit vorprogrammiert ist, kann man anzweifeln, aber wenn man die Entwicklung der letzten Monate sieht, wie mit oppositionellen Politikern, kritischen Journalisten, Richtern, Lehrern und anderen kritischen Stimmen umgeht, ist die entsprechende Gefahr wohl gegeben.


Auch die Form, wie Erdogan, ohne Rücksicht auf Schäden, die er damit anrichtet, gegen Europa hetzt, zeigt auf, dass ihm jedes Mittel recht war, um zu gewinnen. Auch wenn er dadurch die Gesellschaft in Europa spaltet, da er seine hiesigen Landsleute regelrecht gegen Europa aufhetzt, um ihre nationale Gesinnung regelrecht heraus zu provozieren.


Erschreckend ist, dass Erdogan in der Türkei knapp über 51 %, und in Deutschland, zumindest von den türkischen Staatsbürgern, die gewählt haben, sogar mehr als 60 % der Stimmen erhielt.


Seit dem wird darüber spekuliert, ob die Integration von vielen Türken, hier in Deutschland, gescheitert ist, und man fragt sich, ob Deutschland für eine Integration genug getan hat, oder, ob man sich noch einmal anstrengen sollte, auf die entsprechenden Türken zugehen sollte, um sie noch einmal „freundschaftlich“ zu umarmen, und Ähnliches.


Das sehe ich nicht so, denn, die Integration in Deutschland mag ja gescheitert sein, aber die Frage mag dabei gestellt sein, warum? War Deutschland schuld, oder war einfach der Wille, sich bewusst nicht zu integrieren, vorhanden. Und wurde darüber über Jahrzehnte hinweggesehen.


Gehen wir ein paar Jahrzehnte zurück:


Vor 40/50 Jahren kamen nicht nur aus der Türkei Gastarbeiter, die dann hier blieben.


Es kamen auch welche, und das nicht wenige, aus Griechenland, aus Italien, Spanien und Portugal. Und bei denen hat die Integration geklappt - ohne irgendwelche Probleme.


Lag es vielleicht daran, dass dort z. B. die Frauen nicht oft nur im Familienkreis verkehrten, und eben nicht nur weiterhin oft die Heimatsprache beherrschten, sondern auch Deutsch lernten, und sich auch mit Deutschen Nachbarn unterhielten?


Ich kenne eigentlich keinen Italiener, Griechen, Spanier oder Portugiesen, in 3. Generation hier in Deutschland lebend, bei dem man schon daran erkennt, wie er Deutsch spricht, dass er einen Migrationshintergrund hat. Aber, bei Leuten mit türkischen Wurzeln kommt es nicht selten vor.


Wenn es nur mit einem - nennen wir es mal - Kulturkreis die Probleme gibt, ist es dann nicht etwas billig, dass die, die sich nicht integrieren wollten, dann behaupten, Deutschland hat versagt?


Wie soll denn eine Integration aussehen, wenn man gar nicht "dazugehören will", nicht zu einer offenen Gesellschaft, nicht zu einer Gesellschaft, in der es die Gleichberechtigung der Geschlechter gibt, - oder schränken wir es ein, die Gesellschaft zumindest darauf hinarbeitet, dass die Gleichberechtigung, die es laut Gesetz gibt, auch praktisch umgesetzt wird.


Wie soll Integration aussehen, wenn es heißt, Religionsfreiheit ist, dass man eben auch hier Moslem sein darf, aber sollte die Tochter sich davon abwenden wollen, ist dieser Wunsch Blasphemie.


Religionsfreiheit ist eben nicht, dass man auch hier Moslem sein darf, sondern Religionsfreiheit heißt, dass jeder daran glauben darf, woran er will - egal, wie die Eltern oder Brüder dazu stehen.


Und Meinungsfreiheit kann nicht sein, in einem Land zu leben, in dem man Meinungsfreiheit hat, und dort dann auf die Straße zu gehen, um dafür zu plädieren, dass in einem anderen Land, dem Land, aus dem die eigenen Vorfahren kommen, genau das abgeschafft wird, was man hier genießt – und ausübt.


Die Integration ist eindeutig und zweifelsfrei gescheitert. Aber sich nicht integrieren wollen, in der eigenen Gesellschaftswelt bleiben wollen, und dann behaupten, die Deutschen waren nicht bereit, sie zu integrieren, ist ein Witz. Allerdings ein schlechter.


Unter diesen Bedingungen ist eine Integration nicht möglich. Wer sich bewusst ausschließt, will nicht integriert werden, und kann es damit auch nicht.


Wie bereits geschrieben, es ist nur ein Kulturkreis (und davon auch nur ein Teil) von den ehemaligen Gastarbeitern, der mit unserer Gesellschaftsform nicht zurechtkommt – und, das muss man ganz klar sagen, nicht zurecht kommen will.


 

Das zu tolerieren, würde auf eine Parallelgesellschaft hinauslaufen. Das kann es nicht sein. Und, mit Verlaub, wer uns und unsere offene Gesellschaft, mit den entsprechenden Auswirkungen, nicht mag, muss sich fragen, ob er im richtigen Land lebt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    dr. mueller (Sonntag, 25 Juni 2017 14:38)

    Hallo Herr Kogge,


    Text ist gut und schlüssig, Respekt! Derzeit bin ich in einem selbst gewählten Computerkurs, um ein Programm zu lernen, natürlich ist es besser als in einer Sinnlosmaßnahme!Auch das Problem der Jugendgewalt, auf Ihren Text bezogen, ist eher keins der Italiner, Griechen usw. Beste Grüße

  • #2

    Berthold Kogge (Dienstag, 27 Juni 2017 13:05)

    Hallo Dr. Müller,

    Danke für die Blumen. Ein Computerkurs ist immer gut. Was man da lernt, kann man auch privat nutzen. Viel Spaß dabei.

    Gruss Berthold Kogge

  • #3

    dr. mueller (Dienstag, 27 Juni 2017 19:31)

    ja, sehe ich auch so, versuche das Beste daraus zu machen, den Kurs wollte ich haben! Leider ist dies ein Selbstlernerprogramm, Lernbetreuer sitzen aber mit im Raum, wenn Hilfe von Nöten.Bin eher jemand, der in solchen Fällen Frontalunterricht bevorzugt! Grüße

  • #4

    dr. mueller (Samstag, 01 Juli 2017 14:29)

    Hallo Herr Kogge,

    leider ist es auch so, dass junge Türken/Kurden/Araber besonders anfällig für Jugendbanden sind! Man wird dem Thema nicht gerecht, wenn man es verschweigt oder verschönert!

  • #5

    Berthold Kogge (Sonntag, 02 Juli 2017 08:32)

    Hallo Dr. Müller,

    Da weiß ich nicht so recht. So was hat es schon immer gegeben, auch unter "Einheimischen". Wobei die aus dem entsprechenden Migrationshintergrund wohl besonders auffallen. Vielleicht auch, weil sie bewusst eher "wir gegen den Rest der Welt" auftreten. Da dürften die entsprechenden Familien-Seilschaften, die auch den deutschen Staat als Ordnungsmacht gar nicht anerkennen, wesentlich gefährlicher sein. Und sie haben ein Vorbild, dass genau das aufzeigt. Erdogan will in Deutschland reden, der deutsche Staat sagt nein, und was sagt der türkische Botschafter in Deutschland sinngemäß?! Das hätte die deutsche Regierung und Justiz gar nicht zu entscheiden, sondern liegt nur in der Entscheidungsbefugnis des türkischen Präsidenten.