Griechenland - Eine Tragödie, von den Griechen selbst inszeniert.

Die griechische Regierung fordert einen Schuldenschnitt von der EU. Allerdings ohne selbst Veränderungen zu liefern. Nun kann man über die geforderten Veränderungen der EU geteilter Auffassung sein, aber es entspricht auch der Tatsache, dass wirkliche Hilfe, von der EU angeboten, um das Dilemma Griechenlands zu beseitigen, von Griechenland abgelehnt wurde.


Jeder, der überschuldet ist, und die „organische Hilfe“ einer Bank, um die Ursachen der Schulden zu beseitigen, in dem man die Einnahmen erhöht, ablehnt, wird erleben, dass die Bank dann nur noch Sparvorschläge bringen wird.


Zurzeit sind in Griechenland 76 Mrd. €, von Steuern, die festgelegt wurden, somit als berechtigt erkannt sind, überfällig. Das dürfte ungefähr das gesamte griechische Steuereinkommen eines halben Jahres zu sein – oder 50% eines ganzen Jahres.


Das wäre ungefähr so, als wenn das deutsche Finanzamt überfällige Steuern, in Höhe von ca. 750 Mrd. €, nicht einnehmen könnte. Dann würde auch unser Staat finanziell das Spucken bekommen.


Hätte die griechische Regierung die 76 Mrd. €, der zurzeit überfälligen Steuereinnahmen, wäre sie solvent, und könnte auch in die Wirtschaft investieren.

 

76 Mrd. € überfällige Steuerschulden (ohne Altlasten). Das sind pro griechischen Einwohner (im Durchschnitt) eine überfällige Steuerschuld von 7.000 €. Oder, wenn man davon ausgeht, dass ungefähr jeder zweite Grieche ein Einkommen hat, von runden 14.000 € Steuerschuld pro Einkommen. Jeder Grieche, mit einem Einkommen, hat also dem Staat in den letzten 12 Monaten, knapp über 1.000 €, jeden Monat, an fälligen Steuern nicht bezahlt. Oder entsprechend die Firmen.


Das Argument, die Steuern würden nicht bezahlt werden, da die entsprechende Bevölkerung einfach das entsprechende Geld nicht hat, kann man also nicht gelten lassen. Das Nichtzahlen von Steuern betrifft in Griechenland alle Bevölkerungsschichten, und die, die Rentner sind, oder arbeitslos, würde es nicht betreffen. Und selbst die, die nur ein geringes Einkommen haben, dürften auch da wenig Steuern zahlen. Es ist ein allgemeines griechisches Problem. Und dieses Problem ist nicht neu, hat also mit den Folgen der Finanzkrise nichts zu tun. Eher umgedreht, in dem man sagen kann, dass Griechenland von der Finanzkrise so stark erwischt wurde, liegt daran, dass der Staat, wegen fehlender Steuereinnahmen, die er geduldet hat, und anstatt hart dagegen vorzugehen, lieber Kredite aufgenommen hat, finanziell schon anfällig war.


Und die Griechen haben noch ein Problem, was nicht neu ist (gab es in gleichem Umfang schon vor der Finanzkrise), und wird auch von den meisten Griechen nicht nur geduldet, sondern auch forciert.


Die Schwarzarbeit, die gar nicht in den überfälligen Steuern enthalten ist, da dabei ja gar keine Steuern generiert werden.


Die Schwarzarbeit hat in Griechen eine Höhe, die ungefähr 25% des offiziellen BIP´s entspricht.


Ohne Schwarzarbeit, wenn die Leistungen also legal ausgeführt werden würden, wäre das griechische BIP also um 25% höher. Oder, wenn man die Schwarzarbeit halbieren würde (dann wäre man ungefähr auf deutschem Niveau) würde das BIP um immer noch ungefähr 12,5 % steigen.


Und nicht nur das BIP würde steigen, sondern auch die Staatseinnahmen des Staates, in Form von Steuern und Einnahmen in die Sozialkassen, was auch die Rentenkassen beinhaltet würde. Und zwar um mehrere Milliarden € im Jahr, alleine bei den Rentenkassen.


Dann wäre auch eine Rentenkürzung nicht notwendig.


Und jetzt bitte nicht von irgendjemandem den Spruch, die Leute müssen Schwarzarbeit machen, weil sie keinen Job finden.


Zur Schwarzarbeit gehören immer zwei. Einer, der die Arbeit ausführt, und ein anderer, der nicht bereit ist, den Auftrag legal zu vergeben, sondern lieber illegal.


Und bei einem BIP von runden 250 Mrd. € im Jahr, beträgt die Schwarzarbeit ungefähr 62 Mrd. Euro im Jahr.

 

Das macht pro Einwohner (vom gerade geborenen, bis zum ältesten Griechen) 5.700 € im Jahr. Gehen wir mal wieder davon aus, dass 50% der Bevölkerung arbeiten, dann erwirtschaftet jeder "Werktätige" im Jahr einen Schwarzarbeiterumsatz von runden 11.500 €, das macht fast 1.000 € im Monat. 

 

Dadurch entgehen dem griechischen Staat jedes Jahr runde 20 Mrd. € an Steuern und Einnahmen in die Sozialkassen (auch Rente).


Auch das ist ein altes Problem. Das hält kein Staat auf Dauer durch.


Der griechische Staat könnte, wenn die Griechen wollten, so viel Überschuss haben, dass auch der Staat intensiv Investitionen durchführen könnte, was wiederum der Wirtschaft helfen würde.


Ich sehe nicht ein, auch nur einen Cent an Griechenland zu geben, wenn die Griechen weitläufig fällige Steuern nicht zahlen, und weitläufig dem Staat und der Wirtschaft, durch Schwarzarbeit, Gelder und legale Arbeitsplätze vorenthält.


Hätte eine Regierung, auch die jetzige, von Anfang an, als die Krise kam (bzw. die Jetzige, als sie an die Regierung kam) sich genau darum gekümmert, wäre, um Griechenland grundsätzlich wieder eine Perspektive zu geben, ein Schuldenschnitt sicher sinnvoll.


Aber so, wie es ist, und wie es anscheinend bleibt, bleibt Griechenland ein Fass ohne Boden, und würde man jetzt einfach so einen Schuldenschnitt geben, müsste man das dann in 5 Jahren wieder, und in 10 Jahren, und in 15 Jahren …....


Und dafür haben die Griechen schuld – nicht die EU.


Bereits 2008 hat die EU den Griechen angeboten, ihnen durch technische Ausrüstung und durch gestandene Finanzbeamte aus der EU, die die griechischen Beamten entsprechend schulen könnten, die desolate öffentliche Finanzverwaltung auf den neusten Stand zu bringen. Man hat dieses Angebot ablehnt, da man ein stolzes Volk sei, und so etwas, als eine Einmischung in innere Angelegenheiten sieht.


Das gleiche Angebot hat man der neuen Regierung gemacht. Die Antwort war ähnlich.


Auch die griechische Regierung weiß, dass ihr Finanzverwaltung vorsintflutlich arbeitet. Wenn man dann keine angebotene Hilfe annimmt, um da etwas zu ändern, man im Grunde durch sein Verhalten aufzeigt, dass man eigentlich gar nichts ändern will, darf man von Gläubigern auch nicht verlangen, dass diese, einfach mal so, auf Forderungen verzichten. Erst recht, wenn abzusehen ist, dass auch die verbleibenden Forderungen nicht zurückgezahlt werden können.


Die jetzige griechische Regierung ist, vor der letzten Wahl, mit dem Motto in den Wahlkampf gegangen, es bleibt alles beim Alten, und die EU wird entsprechend zahlen. Das kann aber nicht funktionieren. Und so funktioniert auch die EU nicht.


Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass die harte Haltung der EU auch dadurch entstanden ist, dass das Verhalten der griechischen Regierung aufgezeigt hat, dass diese das „griechische System“ gar nicht ändern will. Denn, wenn sie wollte, hätte sie schon einige entsprechende Gesetze auf den Weg bringen können. Wie gesagt, wenn sie wollte.


Aber die griechische Regierung hat nur kundgetan, was sie nicht gedenkt zu tun. Nicht, was sie gedenkt zu tun, um das Problem, das Griechenland hat, anzugehen und zu lösen.






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